9 Sätze, die unfruchtbare Paare nicht mehr hören wollen

Es ist ein großer Schritt für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, ihr Schicksal mit Familie, Freunden oder Bekannten zu teilen. Die Resonanz ist häufig frustrierend. Natürlich sorgen sich andere Menschen. Sie wollen helfen, wo sie nur können oder einfach etwas sagen, um die angespannte Situation aufzulösen. Leider führen Unwissenheit oder fehlende Sensibilität zum gegenteiligen Effekt. Hier sind 9 Sätze, die betroffene Paare nicht mehr hören wollen:

1)        „Seid ihr schon schwanger?“

Nein, sind wir nicht! Die Neugier ist verständlich, schließlich fühlt ihr mit uns mit. Aber die Frage immer wieder aufs Neue verneinen zu müssen, ruft in uns selbst jedes Mal wieder die Enttäuschung hervor. Also habt bitte etwas Geduld, denn so viel ist sicher: Sobald es soweit ist, werden wir die frohe Botschaft mit Freude in die Welt tragen!

2)        „Entspannt euch einfach!“

Stress kann eine wichtige Rolle bei Unfruchtbarkeit spielen. Klinische Studien zeigen, dass stressreduzierende Maßnahmen bei Frauen begleitend zu einer künstlichen Befruchtung die Erfolgsaussichten verdoppeln können (Domar et al. 2011). Doch darüber darf man nicht außer Acht lassen, dass es häufig in erster Linie biologische oder medizinische Gründe sind, die zur Unfruchtbarkeit führen. In jedem Fall ist das ungewollte Ausbleiben einer Schwangerschaft eine große mentale Belastung für Paare. Die Aufforderung sich zu entspannen, kann dabei genau das Gegenteil erzeugen – nämlich noch mehr Druck und Stress.

3)        „Seid froh, dass ihr keine Kinder habt!“

Ja, Kinder können nervig sein. Wir alle mussten schon mal im Flugzeug stundenlang das Schreien eines Babys ertragen und haben insgeheim die Eltern bedauert. Wir wissen, dass ein Bäuerchen auch mal auf der neuen Hose landen kann und dass Windeln sich nicht von alleine wechseln. Jedoch sind es gleichermaßen die schönen und anstrengenden Momente, die wir uns so sehr am Elternsein wünschen. Natürlich ist der Satz nicht ganz ernst gemeint, trotzdem klingt er so als hätten wir unseren Kinderwunsch nicht vollends durchdacht.

4)        „Dann adoptiert doch einfach!“

Adoption kann eine Möglichkeit für Paare sein, bei denen sich der Wunsch nach einer eigenen Familie auf natürlichem Wege nicht erfüllt. Doch auch eine Adoption ist mit einer enormen mentalen, organisatorischen und finanziellen Belastung verbunden. Zudem ersetzt sie nur bedingt das Bedürfnis nach einem biologischen Kind. Darüber hinaus enthält auch die Entscheidung zur Adoption keine Erfolgsgarantie. Im Jahr 2013 fanden in Deutschland 3.793 Adoptionen statt, davon lediglich 38% nicht von Stiefeltern oder innerhalb der Verwandtschaft. Rechnerich kommt auf sieben mögliche Adoptiveltern ein zur Adoption vorgemerktes minderjähriges Kind (Statistisches Bundesamt 2014).

5)        „Wer ist schuld?“

Unfruchtbarkeit kann viele Gründe haben, die gleichermaßen bei der Frau, dem Mann oder in der Kombination der Partner liegen können. Die Erforschung der Ursachen ist ein wichtiger Schritt, um mögliche Lösungswege anzugehen. Dabei geht es jedoch nicht um Schuldzuweisung. Die genauen Gründe sind ein höchst persönliches Thema. Nur weil wir unseren Kinderwunsch kommunizieren, heißt das nicht, dass wir alle Details preisgeben möchten.

6)        „Ich glaube ich weiß, was das Problem ist.“

Keinen Kaffee mehr, von Alkohol ganz zu schweigen! Ein paar Kilo mehr bzw. weniger am Körper! Und definitiv keine heißen Duschen!

Sobald wir über unseren unerfüllten Kinderwunsch sprechen, hält jeder Mensch einen Ratschlag bereit. Ratschläge sind gut gemeint und in vielen steckt sicherlich eine Menge Wahrheit. Letztendlich befinden wir uns in professioneller Behandlung, um Ratschläge zu erhalten. Und genau diese Ratschläge von einer Person, die uns wissenschaftlich fundiert auf unsere individuellen Ursachen untersucht hat, sind die Ratschläge, die wir gerne annehmen.

7)        „Anscheinend soll es nicht sein.“

Dies ist vermutlich der verletzendste Satz, mit dem man ein Paar mit unerfülltem Kinderwunsch konfrontieren kann. Warum genau soll es bitte nicht sein? Unfruchtbarkeit hat komplexe medizinische und psychologische Gründe. Sie ist kein Wink des Schicksals oder eine Strafe Gottes. Und heißt das im Umkehrschluss, dass Eltern, die ihre Kinder verwahrlosen lassen oder misshandeln, es mehr verdient hätten als wir?

8)        „Das wird schon noch.“

Dieser lieb gemeinte Aufmunterungsversuch wird der realen Situation leider nicht gerecht. Die statistische Chance besteht, dass es auch in Zukunft nicht mit der Schwangerschaft klappen wird, und sie wird mit jedem Tag, der vergeht, wahrscheinlicher.

9)        „Es gibt Schlimmeres im Leben.“

Ein unerfüllter Kinderwunsch lässt sich nicht mit anderen möglichen Schicksalsschlägen vergleichen. Unfruchtbarkeit ist ein wichtiges Thema, unter dem betroffene Paare enorm leiden. Es ist eine emotionale und körperliche Belastung, die man nicht unbedingt rein nach objektiven Kriterien einstufen kann. Tatsächlich zeigen Studien, dass das seelische Leid von Frauen mit Unfruchtbarkeit ähnlich dem Leid von Patienten von Krebs, HIV oder chronischen Schmerzen ist (Domar et al. 1993).

Wir von LARAcompanion unterstützen Frauen und Paare mit ungewollter Kinderlosigkeit. Finde heraus wie und verfolge unsere aktuelle Crowdinvesting-Kampagne!

 

Quellen:

Domar, A., Zuttermeister, P., Friedman, R. (1993) The Psychological impact of infertility: a comparison with patients with other medical conditions. Journal of Psychosomatic Obstetric Gynaecology. 14 Special issue 45-52.

Domar, A., Rooney, K., Wiegand, B., Orav, E., Alper, M., Berger, B., Nikolovski, J. (2011). Impact of a group mind/body intervention on pregnancy rates in IVF patients. Fertility and sterility, 95(7), 2269-2273.

Statistisches Bundesamt (2014): Zahl der Adoptionen im Jahr 2013 um 2,4 % gesunken. Pressemitteilung vom 01.08.2014 – 275/14 https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2014/08/PD14_275_225pdf.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen am 15.07.2015).

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