Nur wenige Frauen behandeln unerfüllten Kinderwunsch

Obwohl die Maßnahmen zur Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit weitgehend bekannt sind, greifen nur wenige Paare auf die bestehenden Möglichkeiten zurück. Dies zeigt eine repräsentative Untersuchung unter kinderlosen Frauen und Männern in Deutschland im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Demnach haben nur 7% der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch im Alter von 30 bis 39 Jahren eine der gängigen Methoden versucht. In der Altersklasse der 40- bis 50-jährigen ist der Anteil zwar mehr als doppelt so hoch, aber immer noch deutlich unter 20%.

Darunter fallen insbesondere die folgenden reproduktionsmedizinischen Maßnahmen und psychosoziale Beratung:

  • Hormonelle Stimulation der Eierstöcke
    Bei der Frau wird durch Medikamente die Eizellen-Produktion der Eierstöcke angeregt, um mehr Eizellen für eine Kinderwunscherfüllung zu gewinnen
  • Insemination
    Das Sperma des Mannes wird unter ärztlicher Behandlung direkt in die Gebärmutterhöhle der Frau injiziert
  • Alternative Medizin
    Nicht schulmedizinische Maßnahmen wie z.B. Akupunktur, Naturheilkunde, die Einnahme von fruchtbarkeitssteigernden Wirkstoffen auf pflanzlicher und pharmazeutischer Ebene, Entspannungsübungen wie Yoga
  • In-vitro-Fertilisation (IVF)
    Zusammenbringen von Eizellen der Frau und Sperma des Manners außerhalb des Körpers im Labor. Dabei überlässt man das Eindringen des Spermiums in die Eizelle dem Zufall. Danach wird die befruchtete Eizelle der Frau eingesetzt.
  • Hormonkorrektur
    Ausgleich von aus dem Gleichgewicht geratener Hormonproduktion bei der Frau, z.B. in der Schilddrüse
  • Psychosoziale Beratung
    Eine ärztliche Betreuung umfasst die medizinische, psychische und soziale Diagnostik und Therapie. Unabhängig von dieser ärztlichen Beratung und Behandlung gibt es eine professionelle psychosoziale Beratung durch Dritte, die nicht durch eine Ärztin bzw. einen Arzt erfolgt.
  • Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)
    Ähnlich wie IVF außerhalb des Körpers der Frau, nur anderes Vorgehen: Mittels einer hauchdünnen Spritze wird ein einzelnes Spermium in eine Eizelle hineingeführt. Danach wird die befruchtete Eizelle der Frau eingesetzt.

 

Nutzung gängiger Methoden bei ungewollter Kinderlosigkeit

Nutzung gängiger Methoden bei ungewollter Kinderlosigkeit
Quelle: BMFSFJ (2015); Basis: Ungewollt kinderlose Frauen im Alter 30 bis 50 Jahre; 321 Fälle

Die Zahlen legen vor allem zwei Erkenntnisse nahe: (1) Ein aktives Angehen gegen die ungewollte Kinderlosigkeit mit Hilfe verschiedener Maßnahmen wird für Frauen erst mit zunehmenden Alter relevant; sozusagen als letzte Möglichkeit bevor eine Fruchtbarkeit altersbedingt unmöglich wird. Eine Behandlung kann folglich nicht als Normalität verstanden werden. (2) Dadurch, dass eine Behandlung eher als Notlösung gesehen wird, ist sie mit einem gewissen Stigma behaftet. Viele Frauen haben das Gefühl, sie würden etwas Unnormales tun. Dementsprechend stellt eine Behandlung für die Mehrheit der Frauen auch mit zunehmendem Alter keine ernsthafte Option dar.

Anzumerken ist, dass das Interesse an und die Bereitschaft für eine Behandlung prinzipiell vorhanden ist. Bis zu 55% der Frauen sagen, dass sie sich eine reproduktionsmedizinische Maßnahme grundsätzlich vorstellen können. Darüber hinaus stehen bis zu 60% einer psychosozialen Beratung zu ihrem unerfüllten Kinderwunsch bzw. einer Kinderwunschberatung offen gegenüber.

Die Ergebnisse zeigen, dass es noch einen erheblichen Bedarf an Aufklärungsarbeit auf dem Gebiet der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit gibt. Nur durch eine Entstigmatisierung kann sicher gestellt werden, dass die vorhandenen Möglichkeiten auch ausreichend ausgeschöpft werden. Frauen und Paare, die sich vergeblich ein eigenes Kind wünschen, sind nicht dazu verdammt, sich ihrem Schicksal zu ergeben. Stattdessen gibt es eine Anzahl von Möglichkeiten, aktiv gegen die Situation anzugehen.

 

 

Quellen:

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2015). „Kinderlose Frauen und Männer – Ungewollte oder gewollte Kinderlosigkeit im Lebenslauf und Nutzung von Unterstützungsangeboten“

 

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